Geschichte von Spontano - dem sprechenden RennpferdEingesandt von Silvia Wächter
"Stammrolle":
Spontano
geb. 1996 - Wallach
v. Kondor a. d. Spontana v. Nebos Züchter: Hein Bollow / Besitzer: Stall Lone Ranger
Starts 1999 - 2002: 30
6 Siege und 10 Plätze
Gewinnsumme: 52.998 Knisterkoggen
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Bei einem Trainer in Hoppegarten hatte sich ein Neubesitzer mit zwei Pferden "eingestellt", dieser neue Besitzer war auch gleich von dem Turfpech verfolgt, denn beide Pferde fielen sofort krankheitsbedingt aus. Der Besitzer war mehr als angefressen und wollte die Pferde verkaufen "nach dem Motto - nur weg damit".
Eins der Pferde hieß Spontano (heißt heute auch noch so und war zu diesem Zeitpunkt gerade mal zwei Jahre alt). Der Trainer sagte zu meinen Freunden: "Auch wenn der Hengst erst nächstes Jahr rauskommt, der wird was, seid nicht dumm. Wenn der nicht einmal mindestens Ausgleich II (ab diesen Rennkategorie verdient ein Pferd seinen Hafer selber) kann, fresse ich 'nen Besen." Und da Spontano genannt "Sponti" außerdem noch ein ausgesprochenes nettes Pferd war (ist), wurde der Hengst übernommen und die neuen Besitzer übten sich in Geduld.![]()
Dreijährig kam er dann wirklich an den Start und brachte es bei 5 Starts zu 2 Siegen und 3 Platzierungen. Vierjährig - mittlerweile war aus dem Hengst ein Wallach geworden - lief irgendwie nicht viel zusammen, die Rennsaison konnte man haken. Mittlerweile waren die Besitzer nach Hamburg gewechselt und hatten Sponti bei Christian Sprengel in Hannover zum Training gegeben. Schließlich will man die Samtnase ja auch mal besuchen. Als Fünfjähriger entlohnte Sponti seine Besitzer für ihre Geduld und machte Kasse, bei 10 Starts sprangen 3 Siege und 3 Platzierungen und rund 45.000 DM raus. Ende Oktober 2001 wurde Sponti auf "Kur" sprich Koppel geschickt.
Die Besitzer holten ihren kleinen Racker (Sponti ist wirklich nicht der größte - etwas größer als eine Parkuhr) quasi vor die Haustür Hamburgs und stellten ihn zu anderen Vollblütern (Kategorie Ex-Rennsemmel). Sponti genoß sein oberfaules Leben, nur von täglichen Ausritten unterbrochen, in vollen Zügen. Im Februar war dann wieder Schluß mit lustig und Sponti kam zurück zum Trainer. In der Saison 2001 hatte sich Sponti aber hochgearbeitet, in Rennen der Kategorie Ausgleich II wurde es eng - sprich er musste aufgrund seiner Leistungen immer mehr Gewicht um die Bahn püngeln. Das hieß man musste in der Saison 2002 eine Kategorie höher - Ausgleich I - starten. Außerdem zeigte Sponti, dass wenn es dann passte, er im Finish einen außerordentlichen Speed hinlegen konnte. Der erste Start 2002 war in Hannover, vor dem Beginn des Renntages haben meine Freunde und ich Sponti im Quartier besucht. Der Lütte schaute quietschvergnügt aus der Box und glänzte wie eine Speckschwarte. Der Start in Hannover diente zum Konditionsaufbau (ein Rennen kann das beste Training ersetzen). Im Führring wusste Sponti ganz genau wo er war und um was es ging. Er war nicht aufgeregt, aber tippelte ein wenig. Sponti tippelte auch noch vor der Startbox:-). Naja, das Rennen wurde noch gebraucht, denn Sponti landete irgendwo im Mittelfeld.![]()
Es folgten ein Sieg noch im Ausgleich II und vier Platzierungen im Ausgleich I. Hätte mehr bei rausspringen können, aber wenn ein Jockey nicht auf die Order des Trainers hört und alles nur falsch macht.... Bei seinem letzten Start in 2002 in Hannover ging es dann turbulent zu, denn Sponti musste nur 52 kg im Sattel haben, der gebuchte Leichtgewichtsjockey hatte sich aber am Vortag in Dresden in der Startmaschine die Rippen verbeult und hatte Startverbot. Meine Freunde hatten ein Pferd in Form und keinen Jockey. Na Bravo, denn Jockeys, die nur 52 kg in den Sattel bringen sind in Deutschland eh Mangelware und wenn zugleich Köln und München veranstalten, dann verteilen die sich auch noch. Unruhigen Herzens setzte man einen Azubi in den Sattel, er und eine Amateurreiterin waren die einzigen am Platz, die 52 Kilo reiten konnten. Der junge Mann ging dann vorher noch extra eine Runde in die Sauna um ein paar Gramm Gewicht "abzukochen". Unsere Gesichter wurden etwas länger, denn der junge Mann hatte vor seinem Ritt auf Sponti zwei Ritte und war jedes Mal abgeschlagen letzter.... Im Führring bekam der angehende Jockey dann genaue Order "Halte dich im hinteren Teil auf, aber nicht letzte Stelle, auf der Zielgeraden nimm ihn nach außen oder nach innen, da wo frei ist und dann gib Gas! Glaube mir, auf den letzten Metern kann der Wallach fast fliegen! Und mit der Gerte möglichst nix tun." Und siehe da, der junge Dachs hielt sich an die Reitorder. Eingangs der Zielgeraden nach außen genommen, blieb uns das Herz stehen, Sponti kam lustlos um den Bogen. Sein Reiter gab sich aber nicht geschlagen, forderte ihn auf, ritt energisch mit den Händen und siehe da, der treue Sponti riss sich zusammen und
schaltete den Gang höher, Spontis Hufe fraßen nur so den Boden und er sauste nur so heran und wurde knapp geschlagen dritter. Da stand der Zielpfosten eindeutig zu früh:-). Aber egal, wir haben uns über Spontis Leistung ein Loch in den Bauch gefreut und Sponti im Absattelring erwartet. Der kam putzmunter mit dem Ausdruck im Gesicht "war was?" zurück, der Reiter war viel fertiger, aber mit strahlenden Augen. Nach Luft japsend meinte er: "Ist ja irre, der fliegt wirklich auf den letzten Metern. Das ging ja wie auf Rollschuhen. Wenn ich darf, würde ich ihn immer wieder reiten." Und er erzählte, daß er auf der Zielgeraden Sponti mit Schnalzen und anfeuerenden Rufen Beine gemacht habe. ![]()
Das war in diesem Jahr Spontis letztes Rennen. Eine Woche nach dem Rennen ging Spontano wieder in "Kur" und diesmal kurt er richtig nobel, er überwintert auf den Koppeln des Gestüts Idee bei Hamburg. Wird täglich am Elbesand geritten und tummelt sich ansonsten wieder oberfaul auf den Koppeln. Wenn Sponti der Rennbahn Tschüss sagt, ist seine zweite Karriere schon geplant: verwöhntes Freizeitpferd:-). Was mich persönlich zu Tränen gerührt hat, meine Freunde sind ja auch "nur" Kleinstbesitzer, in Baden-Baden wurden sie gefragt, ob Sponti zu verkaufen sei. Als Angebot schwebte eine fette fünfstellige Summe im Raum. Das ist für kleine Besitzer natürlich ein Batzen Geld und sehr verführend. Aber bei dem bloßen Gedanken, dass dann der immer sein bestes gebende Spontano eventuell in England im Hindernissport landen könnte, drehte sich meinen Freunden der Magen um. Mit den Worten "dafür ist er viel zu klein" wurde das Angebot dankend abgelehnt. ![]()
Seit Mitte Oktober schiebt Spontano nun im Gestüt Idee eine ruhige Kugel und obwohl Wallach ist er total verschossen in seine Nachbarin, eine dreijährige Stute mit dem Namen Bell Fee (welche jetzt langsam an den kleinen Aufmerksamkeiten des Wallaches Gefallen findet. Bell Fee gehört der Freundin des Besitzers von Spontano (der Apfel fällt nicht weit vom Stamm hihi). Beide Pferde werden auch in der Winterruhe täglich geritten, es wird "Konditionshaltung" betrieben und die Einheiten sind im Schnitt 10 Runden Schritt und 10 Runden Trab (in der Reithalle - sonst wird das am Elbestrand praktiziert - sehr zur Freude von zufälligen Spaziergängern und je nach Bedarf gibt es dann noch Galopprunden. Als ich Spontano & Bell Fee mit den Besitzern an einem wirklich *zensur*kalten Samstag besucht habe, standen die beiden quietschvergnügt in ihren Boxen und warteten darauf, gesattelt zu werden. Spontano, die Ruhe in Person, schaute uns freundlich entgegen und fand natürlich sofort die Äpfel und Möhren in meiner Tasche:-)))). Spontano sah aus wie eine Vollbombe, irren Glanz im Fell, der strahlte nur pures Wohlbefinden aus. Nebenan Bell Fee, immer noch leicht zickig (das ist genetisch bedingt, ihre Mutter war wirklich ein Biest), aber ihr Verhalten ist Dank dem Racing-Manager von Gestüt Idee schon viel besser geworden und sie hatte dank der leichten aber konsequenten Arbeit schon richtig schön Muskelatur aufbauen können. War ebenfalls in einem Top-Zustand - halt so wie es seien soll! Beide Pferde gingen dann in der Halle ihre Arbeit, Elbesand viel Undank Frost und zugeeisten Wegen leider flach - wobei Spontano sehr darauf bedacht war, das Belle Fee schön mitkam.
Also gab es erst 10 Runden im Schritt, Spontano und Bell Fee kauten munter am Gebiß, Ohren nach vorn - alles ganz ruhig und relaxt. Spontano war das ein wenig langweilig, aber Kavalier wie er ist, blieb er bei der Stange. Dann folgten 10 Runden im Trab. Bell Fee einwandfrei, aber Spontano legte manche Runde freiwilig zackig wie ein Dressurpferd hin. Wir bekamen alle kugelrunde Augen vor Staunen. Nach den 10 Runden Trab durfte Spontano seinen Puls zurücknehmen und gemütlich durch die Halle schreiten, während Bell Fee 10 Runden Galopp dranhängen mußte. Bei dem Galopp hat die junge Dame noch ein Kopfproblem, galoppieren kann sie, aber manchmal stört sie ihre Hinterhand "Wozu muß die eigentlich mit - brauche ich die?". Vor allen Dingen in Kurven, da sieht man förmlich wie sie "denkt": Igitt, da muß ich jetzt rum, äh, hilfe, beine wechseln. Anfänglich in jeder Kurve zack-zack die Beine gewechselt, aber zum Ende hin ging es immer besser. Irgendwann gewöhnt sie sich daran, daß die Hinterhand "mit muß". Nach den 30 Runden in der Halle ging es zum "abtrocknen" raus auf die Sandbahn (naja eher Schneebahn, da lag soviel weißes Zeugs, dort wurden dann ganz gemütlich zwei Runden im Schritt absolviert. Danach absatteln und raus auf die Koppel "Beine vertreten". Zum Wegkringeln Spontano, der auf dem Koppel dann den dicken Maxe gab und Bell Fee mit seinem Gehabe beieindrucken wollte, zur Belohnung gab es dann von Bell Fee eine *komm_ich_krabbel_dich_da_wo_du_nicht_hinkommst*-Einlage. Alles in allem hatten wir einen wunderschönen - wenn aber auch schweinekalten - Tag im Gestüt (natürlich haben wir uns auch die Absetzer, runden Mutterstuten, Jährlinge und anderen "Kurgäste" angeschaut. Nicht zu vergessen, die vierbeinigen Hoffnungen des Gestüt Idees, die haben da einem Lomitas-Sohn, dreijährig, namens Paccio. Beindruckendes Pferd, vom Typ her kommt der eindeutig auf seinen Vater, wenn er auch so schnell ist, wird der Rennstall Darboven (Gestüt Idees Besitzer teilt zwischen Rennstall und Gestüt) in diesem Saison noch viel Spaß haben.
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"Da wir gerade bei den Zweibeinern sind, hier meine beiden hoch-nervösen Besitzer - die immer einen Sack voll Sorgen bei jedem Start "pflegen"! Im Vordergrund, mein kahler Jim, ganz links, der im feinen Anzug mit der bunten Krawatte ist "Doc", er ist der zweite Teil von Stall Lone Ranger. Nun habe ich Euch meine Besitzer-Zunft komplett vorgestellt!"
"Übrigens, Silvia is' 'ne Riesenpflaume! Statt mich während des Rennens zu fotografieren - sitzt sie irgendwo mit Jim, Doc und Catrin auf der Tribüne oder vor einem Bildschirm - man munkelt wild kreischend im Finish...! Daher gibt es kein Foto, wo ich die Nase ins Ziel stecke. *schnief*
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Mit dem Rennen in Hannover beendete Spontano quitschvergnügt und kerngesund die Saison, er wurde - natürlich mit Bell Fee zusammen - in die Winterpause in das Gestüt Idee geschickt.