Soooo soll der Galopp aussehen...Gundi beim Dressurkurs mit George Theodorescu auf dem Talhof in Korntal-Münchingen

Aufmerksam auf diesen Kurs bin ich geworden durch eine Anzeige im Agrar-Forum: "Dressurkurs mit George Theodorescu in Korntal-Münchingen hat noch freie Plätze" Nachdem ich mich sofort unter der angegebenen Telefonnummer informiert hatte über Preis, reiterliche Voraussetzungen und Unterkunftsmöglichkeit für meinen Vierbeiner, bekam ich gleich das Anmeldeformular zugemailt. Ich füllte dies auch umgehend aus und überwies die Kursgebühr, bevor mich der Mut wieder verließ. Einige Tage vor Kursbeginn erhielt ich die Zeiteinteilung, Samstag um 11.30 Uhr und 17.30 Uhr, sowie am Sonntag um 12.00 Uhr. Wir mussten am Samstag zweimal ran, weil der Kurs schon am Freitag begann, ich aber wegen eines Seminares am Freitag nicht teilnehmen konnte.

Am Samstag machte ich mich gegen 8.00 Uhr auf den Weg, um auch wirklich rechtzeitig dort zu sein und mir vielleicht auch schon einen kleinen Überblick verschaffen zu können. Kurz vor 10 waren wir dann am Talhof angekommen und Clarence bezog seine Gastbox, wo er auch gleich Freundschaft mit seiner Nachbarin, einer 26-j. Stute schloss.

So hatte ich dann noch Gelegenheit, einige der jeweils 30-minütigen Unterrichtseinheiten ansehen zu können. Erstmal musste ich aber meine Minderwertigkeitskomplexe bekämpfen, denn bei den anderen Teilnehmern sah das schon recht perfekt aus. Mit leichtem Kribbeln in der Magengegend machte ich mich dann rechtzeitig auf zum Außenplatz, um Clarence etwas aufzuwärmen, bevor es an die Arbeit ging.

Hatte ich gedacht, Herr Theodorescu (aus Vereinfachungsgründen GT) sähe mich nicht, weil er noch mit meiner Vorreiterin beschäftigt war, hatte ich mich getäuscht. Während ich mich noch bemühte, Clarence in vorbildlicher vorwärts-abwärts-Haltung abzutraben und zu galoppieren kam auf einmal die Frage: "Wie alt? Was geht er?" Meine Antwort "11, L sicher, M angefangen" wurde mit einem zustimmenden Murmeln kommentiert und dann gings los:

Antraben "Mehr vorwärts", ich aufs Gas "noch etwas mehr vorwärts", ich noch mehr aufs Gas "jaaaa" Nachdem ich das (für meine Begriffe immense) Tempo erreicht hatte, gings ans Eingemachte: Schulterherein, Traversalen, Schlangenlinien, Halten, Rückwärtsrichten, Außengalopp, einfache und fliegende Wechsel.

Viel zu schnell war der Unterricht zu Ende (war das wirklich eine halbe Stunde???)

Erstes Fazit von GT: "Ein tolles Pferd, engagiert, gehorsam, rittig, sehr gute Grundgangarten, gute Grundausbildung" Diese Worte taten meinem in letzter Zeit etwas angekratzten Ego natürlich gut. Eine Frage konnte ich mir allerdings nicht verkneifen: "Sie sagen, das ist gut so, das Pferd und ich fühlen uns so auch wohl, aber wenn ich ihn so in einer L vorstelle, bekomme ich ne 5,5 und den Kommentar: Keine Kadenz, Keine Versammlung."

Leichtes Erstaunen in GT's Mine und dann der Satz: "Was wollen die denn sehen? Wie elastisch soll er denn noch traben? Die Anlehnung ist in Ordnung, er ist schnurgerade, jede Parade kommt durch, er hält auch in den Verstärkungen den Takt, wir reden hier über L, nicht über Grand Prix, dafür müsste er noch etwas mehr versammelt sein. Aber diese Hinrichterei, schon in kleinen Prüfungen, das wird immer schlimmer. Hauptsache spektakulär, ob das reell ist oder nicht, ist egal." Meine Antwort "Ich häng mir jetzt ein Schild um, auf dem steht: Herr Theodorescu sagt, das ist gut so!" entlockte ihm ein leichtes Schmunzeln, bevor er sich der nächsten Schülerin, es nahmen übrigens ausnahmslos Damen an dem Kurs teil, widmete.

Schon in diesen ersten 30 Minuten "antesten" wurde mir GT's Prinzip von Reiten und Ausbildung klar: Es gibt keine Tricks, alles wird über den reellen Weg "äußerer Zügel, inneres Bein" erarbeitet. Die Schuld liegt nie (!) beim Pferd, es wird viel gelobt und Korrekturen seinerseits kommen immer in absoluter Ruhe. Während des gesamten Unterrichts herrscht eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre, die Reiter und Pferd entspannt und so zu mehr Leistung bringt. Hat man etwas mal nicht verstanden, kann man jederzeit nachfragen und bekommt das ganze nochmals, meistens mit einem anschaulichen Beispiel erklärt.

Als ich dann abends das zweite Mal erschien, nahm die Mine des Meisters einen fragenden Ausdruck an: "Was machen Sie denn noch mal hier, der war doch so gut heute früh. Ich würde ihn nicht nochmal rausnehmen." Auf meine Antwort, dass ich eben am Freitag nicht gekonnt hätte, und ich eben so zu meinen drei Reitstunden käme, durfte ich dann aber doch noch mal.

Nachdem ich am Morgen schon angedeutet hatte, dass das größte Problem von uns beiden die fliegenden Wechsel sind, wurde dann hieran sehr intensiv gearbeitet. Und dann passierte das, was ich insgeheim erhofft hatte: Clarence kriegte seinen "Rappel". Er stresste sich total rein, sprang nur noch hin und her und wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Innerhalb kürzester Zeit war er tropfnass. Auch jetzt blieb GT die Ruhe selbst. Unzählige einfache Wechsel mit sehr kurzen Galopp-Schritt-Phasen auf der ganzen Bahn, den Diagonalen, den Zirkeln, und dann, wenn weder Reiterin noch Pferd damit rechneten ein kurzes "Wechsel - guuut - loben". Außerdem erklärte er mir, dass ich bei einem so gut reagierenden Pferd den Wechsel nur mit minimalsten Hilfen reiten muss. Das Angaloppieren erfolgt nur noch über einen Impuls mit dem äußeren Bein, und das neue äußere Bein ist auch die einzige Hilfe zum Wechsel. Als ich das kapiert hatte, wurde der Unterricht sofort beendet.

Am Sonntag war ich sehr gespannt, wie sich der Samstag Abend auf Clarence ausgewirkt hatte. Ich begann mit dem Abreiten und hatte ein gutes Gefühl, er war locker, kam zum Schwingen und zog angenehm in die Anlehnung.

Dann erinnerte sich GT daran, dass ich auch von Problemen im Kurzkehrt gesprochen hatte. Nach 20 Kurzkehrt und sehr anschaulichen Anweisungen, wie die innere Schulter mit in die Wendung genommen wird und das Wichtige die Vorhand ist, und nicht das Fixieren der Hinterhand, hatte sogar ich das kapiert, und es gelangen einige sehr schöne Kurzkehrt. Nach kurzer Trabarbeit ging es auch gleich an den Galopp. Und oh Wunder, ich ritt ca. 10 fliegende Wechsel, ohne ein aufgeregtes, gestresstes Pferd. Er blieb total cool, wartete auf die Hilfe und bleib einfach die ganze Zeit bei mir. Damit wurde der Untericht dann auch sofort beendet, und Clarence ergielt seine obligatorischen Belohnungsleckerlies. Ich glaube an den drei Kurstagen wurden etwa fünf Kilo von GT persönlich verfüttert.

Fazit unter ein ergiebiges Wochenende:

GT ist eine faszinierende Persönlichkeit. Sein Unterricht ist nicht spektakulär in dem Sinne, dass unendlich Lektionen gepaukt werden oder die Pferde "mal richtig angepackt". Für ihn gibt es nichts Schlimmeres als den Ausdruck "Das muss derHund jetzt machen". Das Pferd steht immer an erster Stelle. Klappt etwas nicht, wird stets überlegt, was der Reiter falsch gemacht hat, oder warum das Pferd jetzt den Reiter nicht verstanden hat. Der Satz: "Das Pferd will nicht." existiert in seinem Wortschatz nicht.

Probleme werden dadurch gelöst, dass einen Schritt zurückgegangen wird und an den Grundlagen gearbeitet wird, bis diese sitzen, erst dann kommt wieder die Lektion, und meistens klappt diese dann auch.

GT möchte dass, die Pferde ihre Arbeit gerne tun, als Partner, nicht als Sportgerät, und dazu gehört eben, dass viel gelobt und nicht hart gestraft wird. Mal eine etwas stärkere Parade, mal ein kleiner Knuff mit dem Sporen reichen seiner Meinung nach völlig aus, um dem Pferd klar zu machen, dass etwas nicht in Ordnung war. Alle Pferde haben sich im Laufe des Kurses verbessert, wurden ruhiger oder spritziger, trabten ausdrucksvoller oder hielten den Außengalopp besser durch. Und das alles nur durch Ruhe, Konzentration und die "gute alte Reitlehre", die doch leider immer mehr in Vergessenheit gerät.

Die einhellige Meinung aller Teilnehmerinnen: Hoffentlich bald wieder. Außerdem wünschten wir alle, nur die Hälfte des Wissens und des Gefühls von GT zu haben, denn damit hätten wir wahrscheinlich noch mehr von diesen Eigenschaften, als wir je erreichen werden.

Copyright Text und Fotos: Gundi