Ingwer und Meerrettich in der PferdefütterungEin Bericht von Dr. Stefan Brosig, Stand August 2005

Ein Bericht von Dr. Stefan Brosig. Wir danken Herr Dr. Brosing für die Unterstützung.

Seit dem Jahr 2002 wird Ingwer bei Pferden zur Behandlung der unterschiedlichsten Leiden eingesetzt, vor allem bei verletzungs- oder altersbedingten Arthrosen.

Anfangs breitete sich seine Anwendung nur langsam unter den Pferdehaltern aus, da Ingwer von Seiten vieler Mediziner und auch der Pharmaindustrie mit großem Mißtrauen betrachtet wurde. Ein Gewürz hatte in der Pferdeheilkunde, klassisch und medizinisch dogmatisch betrachtet, einfach nichts verloren. Darüberhinaus war es auch noch frei verfügbar und viel zu billig.

Seitdem die ehemals berühmte Dressurstute und Olympia-Hoffnung Renaissance Fleur erfolgreich damit behandelt wird, verläuft die Ausbreitung unter den Pferdehaltern aber geradezu explosionsartig. Es dürfte sich bereits um eine fünfstellige Zahl von Pferden handeln, die Ingwer dauerhaft oder zeitweise erhalten. Durch gezielte Untersuchungen oder auch durch reine Zufallsentdeckungen sind dabei, über die Behandlung von Arthrosen hinaus, immer weitere Anwendungsfelder neu hinzugekommen.

Es zeigte sich, daß der Ingwer "ganzheitlich" wirkt, um einmal dieses Modewort dafür zu gebrauchen. Im folgenden möchte ich den derzeitigen Wissenstand zur Ingwerfütterung umreißen, der auf Untersuchungen an meinen eigenen Pferden und denen von Bekannten, Pferden des Gestüts Rondeshagen und auf Erfahrungsberichten vieler anderer Besitzer (mit insgesamt ungefähr 100 Pferden) beruht, denen ich hiermit vielmals für ihre Bereitschaft zum Erfahrungsaustausch danken möchte. Ohne sie wäre der Fortschritt in den Erkenntnissen zur Ingwerfütterung bedeutend langsamer verlaufen:

In der Pferdeheilkunde sind in den letzten 50 Jahren große Fortschritte erzielt worden, und es ist heute möglich, Verletzungen zu behandeln, die früher einem Todesurteil gleichgekommen wären.

Dennoch weist aber die ärztliche Heilkunst noch einige sehr deutliche Schwachstellen auf, die die Pharmaindustrie bis zum heutigen Tage nicht zu beseitigen vermochte. Eine dieser Schwachstellen ist die Bekämpfung von Schmerzen und Entzündungen ohne schädliche Nebenwirkungen.

Die bislang verfügbaren schmerz- und entzündungshemmenden Mittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Entzündungshemmer (am bekanntesten bei den Pferdehaltern: Equipalazone) greifen alle nach bereits kurzer Zeit den Verdauungstrakt so stark an, daß deren Einsatz zeitlich beschränkt erfolgen muß und ein andauernder Einsatz bei chronischen Schmerzen, z.B. auch bei altersbedingtem Verschleiß, ausgeschlossen ist. Eine weitere Schwachstelle ist "Die verlorene Kunst des Heilens" selbst, wie der amerikanische Mediziner und Nobelpreisträger Bernard Lown in seinem gleichnamigen Buch beklagt. Die Medizin hat sich mehr und mehr zu einer Notfallmedizin entwickelt.

In der Nachbehandlung und langfristigen Ausheilung einer Krankheit steht der Mensch und eben gerade auch der Pferdehalter oft ziemlich verlassen da. Australische Wissenschaftler des Herbal Medicine Research and Education Centre und der University of Queensland haben nun mit einer Entdeckung aus Mutter Natur dazu beigetragen, diese Schwachstellen für viele Anwendungsfälle zu beseitigen: Sie fanden im Jahr 2001, daß das Gewürz Ingwer, bzw. ein Extrakt daraus, bei Ratten das Schmerzempfinden herabsetzt und entzündungshemmend wirkt!

Bei diesem Ingwer handelt es sich um die Wurzel (das Rhizom) der schilfartigen Ingwerstaude (Zingiber officinale), die von Indien bis China, in anderen Tropengebieten und auch Afrika angebaut und vornehmlich als Gewürz frisch oder getrocknet gehandelt wird.

Ingwer wirkt dabei nicht homöopathisch oder wie ein Placebo, sondern nach Schulmedizin: Bestimmte Inhaltsstoffe des Ingwers, vor allem wohl die sogenannten Gingerole und Shogaole, die wesentlichen Scharfstoffe des Ingwers (englisch: ginger), docken an die gleichen (sogenannten "vanilloiden") Rezeptoren in den Zellen an wie z.B. die nichtsteroidalen Entzündungshemmer Ibuprofen, Aspirin und auch Equipalazone.

Dabei zeigt aber der Ingwer nicht die schweren Nebenwirkungen, die mit der Gabe der üblichen nichtsteroidalen Entzündungshemmer verbunden sind! Für Ingwer sind beim Menschen keine Gegenanzeigen bekannt. Selbst Schwangere dürfen ihn gegen Übelkeit einnehmen. Überraschenderweise hat es sich gezeigt, daß Ingwer, bezogen auf das Körpergewicht, bei Pferden deutlich stärker schmerz- und entzündungshemmend wirkt als bei Ratten.

Das Pferd, welches nun schon die längste Zeit täglich Ingwer in größerer Menge als Futterzusatz erhält, ist mein Warmblutwallach Waran (geb. 1971), der ihn seit März 2002 in einer schmerz- und entzündungshemmenden Menge zwischen 10 und 15 Gramm zur Behandlung einer schweren Hufgelenksentzündung bekam.

Seitdem hat Ingwer schon vielen anderen Pferden das Leben erleichtert. Er wird auch bereits von einigen Gestüten routinemäßig zu Behandlungen eingesetzt, rassemäßig übergreifend vom Isländer bis zum Trakehner. Prominentester "Ingwerfresser" und gleichzeitig "Blockadebrecher" gegen die lange vorherrschende Lehrmeinung, ist wohl die Trakehner Stute Renaissance Fleur, die im Februar 2003 im Ausbildungsstall Theodorescu auf tragische Weise einen dreifachen Trümmerbruch von Fesselbein und Fesselgelenk erlitt. Das Bein wurde in einer Notoperation mit neun (!) Schrauben wie ein Mosaik wieder einigermaßen zusammengesetzt. Das Gewicht des Pferdes wurde gleichzeitig über einen Außenverband um die Fessel herum direkt auf den Huf übertragen. Ein Beweis, was die heutige Medizin Unglaubliches zu leisten vermag! Nachdem die Stute nach vier Monaten aus der Klinik kam, lief sie allerdings immer schlechter. Das Fesselgelenk versteifte (gewollt) völlig. Schließlich lahmte die Stute wegen Arthrosen stark und magerte auch immer mehr ab (die meisten Pferdezeitschriften berichteten darüber).

Durch Ingwerfütterung wurde der Stute seit September 2003 wieder ein schmerzfreies Gehen und auch Traben möglich. Damit ist der Weg frei für ein hoffentlich noch langes und beschwerdefreies Leben dieser großen Stute. Der Stute geht es unter Ingwer zunehmend besser, und sie galoppiert nun auch schon wieder über die Weide. Das betroffene Bein wird darüberhinaus langsam dünner. Ob das Fesselgelenk wieder wenigstens eingeschränkt beweglich wird, wie in Fällen von Hufgelenksarthrose beobachtet, müßte sich wohl bis Mitte 2005 zeigen. Klassisch medizinisch wäre das aber nicht zu erwarten. Seit Anfang 2004 läuft eine Studie des Reha-Team Aggertal (angehängt an die Fachtierarztklinik Dr. Gawda), in der Ingwer sehr hochdosiert und dabei erfolgreich an Pferden angewendet wird, die sich gegenüber konventioneller tierärztlicher Behandlung als therapieresistent erwiesen haben.

Diese Pferde leiden an hochgradiger Arthrose an mehreren Gelenken gleichzeitig, beidseitigem hochgradigem Spat, hochgradiger Podotrochlose ("Hufrolle"), hochgradiger Ataxie/HWS-Syndrom, Zügellahmheit, Verkalkungen und anderem. Es liegen für solche Hochdosierungen, die meine eigenen Empfehlungen um mehr als das doppelte übersteigen, allerdings noch keine Langzeitbefunde vor. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden in Kürze auf einer Internetseite www.Pferd-und-Ingwer.de vorgestellt werden.

Obwohl Ingwer etwas mehr Aufwand bei der Anwendung macht und die Wirkung erst mit größerer Verzögerung einsetzt als bei bisher vom Tierarzt bei Schmerzen und Entzündungen üblicherweise verordneten Mitteln, überwiegen bei weitem seine Vorzüge: keine Nebenwirkungen, keine Gegenanzeigen und keine Wartezeiten, da Ingwer ein Lebensmittel ist. Zudem ist er preiswert. Daher ist er als das Mittel der Wahl anzusehen und sollte mindestens bei voraussichtlich längerer Anwendung eines Schmerz- und Entzündungshemmers stets zum Einsatz kommen. (Man befolgt dabei eigentlich nur einen Leitspruch des alten Hippokrates: "Laßt die Nahrung euer Heilmittel sein und Heilmittel eure Nahrung!") Für Pferdehalter sind vor allem praktische Hinweise zur Anwendung interessant, denn es wird von ihm verlangt, die für sein Pferd individuell benötigte Dosis selbst zu bestimmen. Im folgenden möchte ich daher die wesentlichen Punkte aufzählen, die für eine erfolgreiche Anwendung beim Pferd zu beachten sind:

1.) Ingwer ist ein Naturprodukt und seine schmerz- und entzündungshemmende Wirkung ist stark abhängig von seinem Gehalt an Scharfstoffen, das sind vor allem die Gingerole, die im handelsüblichen Ingwerpulver zwischen 1 und 3 % schwanken.

Den höchsten Gehalt an Gingerolen weist üblicherweise Ingwer aus Afrika (Tansania, Nigeria) auf, und dieser sollte daher auch bevorzugt zum Einsatz kommen. Man kann solchen Ingwer mit zertifiziertem Scharfstoffgehalt von ungefähr 2,5% schnell und kostengünstig z.B. von der Gewürzmühle Neumann / Herzfelde (Tel. 033434 / 45407) oder von Amarelo Ingredients / Saarburg (Tel. 06501 / 180551) beziehen. Granulierten afrikanischen Ingwer (daher auch für Trockenfutter geeignet) erhält man bei Masterhorse / Schwieberdingen (Tel. 0800 / 6278374). Der gemahlene Ingwer aus dem Supermarkt ist teurer, älter und leider im Scharfstoffgehalt nicht spezifiziert, man findet zwar gute, häufig aber auch schlechte oder auch sehr schlechte Chargen darunter. Zumeist handelt es sich dabei um die asiatischen Sorten mit geringerem Scharfstoffgehalt. Ingwer aus der Apotheke ist erstens teurer und häufig auch merklich schlechter, denn die Gingerole wandeln sich bei Lagerung langsam in sogenannte Shogaole um, die deutlich weniger scharf und weniger wirksam sind. Größere Mengen Ingwer lagert man daher über längere Zeit bevorzugt in geschlossenen Gefäßen im Kühlschrank und füllt sich in ein kleineres dicht schließendes Gefäß die Menge für mehrere Wochen ab. (Übrigens wirkt auch der Scharfstoff des Pfeffers, Capsaicin, schmerz- und entzündungshemmend, doch wirkt er im Gegensatz zu den Scharfstoffen des Ingwers in der zur Schmerz- und Entzündungshemmung erforderlichen hohen Menge zerstörend auf die Schleimhäute!)

2.) Bei Pferden, die zum ersten Mal mit Ingwer behandelt werden, ist es notwendig, ihn langsam anzufüttern. Vor allem hoch im Blut stehende Tiere können hier erfahrungsgemäß heikel sein. Man beginnt am besten mit etwa einem Gramm pro Mahlzeit. Die nächsten Male kann man auf 3 Gramm, dann 5 Gramm usw. steigern. Bei Pferden, die bei Futterumstellungen Schwierigkeiten haben, sollte dies langsamer geschehen als bei normalen, bei denen für die Erhöhung der Menge auf die erforderliche Enddosis nur mehrere Tage angesetzt werden müssen. Bei Pferden mit starker Niereninsuffizienz ist zu berücksichtigen, daß die Wirkstoffe des Ingwers wesentlich langsamer aus dem Körper ausgeschieden werden. Die Dosis ist in diesen Fällen zum Teil deutlich zu senken und die Erhöhung der Dosis von Tag zu Tag muß langsamer geschehen. Bevorzugt reicht man den Ingwer in eingeweichten (aber nicht triefenden) Heucobs/Wiesencobs (z.B. von Agrobs). Diesen Tip erhielt ich unabhängig von mehreren Anwenderinnen. Der Ingwer wird dadurch für das Pferd wesentlich angenehmer, Geruch und Schärfe werden sehr deutlich gemildert. In eingeweichten Heucobs kann man Pferden die drei- bis vierfache Menge an Ingwer zuführen wie in gequetschtem Hafer. Man kann damit auch große Ingwermengen in einer Portion verfüttern. Eine Menge von 20 Gramm Ingwer läßt sich sehr bekömmlich für das Pferd in etwa einem halben Kilo (Trockenmasse) Heucobs plus der zum Einweichen nötigen Menge Wasser unterbringen. Man kann, vor allem zu Beginn, wenn der Ingwer den Pferden noch fremd ist, zusätzlich Mohrrüben oder Äpfel beizufügen. Das Reha-Team Aggertal macht seine hohen Dosen den Pferden auch mittels Zitrusfrüchten schmackhaft. Eine weitere Möglichkeit, sehr heiklen Pferden die benötigte Ingwermenge zuzuführen, ist die Verwendung von Ingwer in einer gröberen Form, die ebenfalls weniger stark riecht. Die sehr grobe geschnittene Form wird allgemein gut angenommen, wird aber auch nur, je nach Zerkauungsgrad, sehr unvollständig ausgewertet, ein Teil davon kommt einfach "hinten" wieder heraus. Man muß dann unter Umständen mit der doppelten Menge rechnen als bei gemahlenem Ingwer, oder sogar mit noch mehr. Eine bevorzugte Darbietungsform wäre wohl ungefähr grießförmig. Sie wird in Bälde verfügbar sein. Es ist vermutlich hauptsächlich der Geruch und weniger die Schärfe, der die Pferde anfangs irritiert. Pferde scheinen allgemein wenig Geschmackssinn für Schärfe zu besitzen. (Dies ist z.B. auch daran erkennbar, daß sie Knoblauch fressen.) Spätestens, wenn sie merken, daß der Ingwer ihnen hilft, sind einige Pferde sogar regelrecht "scharf" darauf, und manche fressen den Ingwer unglaublicherweise sogar pur! Bei späteren Behandlungen, wenn das Pferd den Ingwer bereits kennt, kann die Dosis sehr schnell hochgefahren werden.

4.) Im ersten Monat der Anwendung kann wie bei allen Schmerzmitteln eine gewisse Gewöhnung stattfinden, die es erforderlich macht, die Dosis noch einmal um etwa 20% zu erhöhen. In der Folgezeit bleibt diese Dosis dann aber nach bisheriger Erfahrung konstant.

5.) Wie bereits erwähnt ist der scharfe Übergang von nicht beobachtbarer Wirkung zu deutlicher Wirkung bei einer nur geringfügigen Steigerung der Ingwermenge bemerkenswert. Dieser findet ungefähr in einem engen Bereich von nur ungefähr 20% der notwendigen Dosis statt. Es kann also sein, daß bei 12 Gramm am Tag noch keine Wirkung erkennbar ist und bei 15 Gramm das Pferd plötzlich vor Freude ausschlägt und über die Weide davontrabt, wie es z.B. auch bei Renaissance Fleur der Fall war. Kurz unterhalb der Schwellmenge, bei der die schmerz- und entzündungshemmende Wirkung einsetzt, kann es manchmal noch zu einer Schmerzverstärkung kommen. Dieser Bereich sollte daher schnell durchquert werden. Dieser Fall ist in der folgenden Figur dargestellt, die das relative Empfinden eines Gelenkschmerzes bei einer bestimmten Ingwerdosis wiedergibt:

Der Grund für diesen scharfen Übergang ist sicherlich, daß Ingwer hunderte von Wirkstoffen enthält, die sich gegenseitig beeinflussen, wohingegen herkömmliche Arzneimittel meistens reine Verbindungen sind, oder nur sehr wenige andere Stoffe enthalten. Die entzündungshemmenden Eigenschaften der Gingerole scheinen demnach bei niedrigen Ingwermengen zunächst noch von anderen Wirkstoffen (Antagonisten) heruntergeregelt zu werden und sich dann aufgrund eines nichtlinearen Verhaltens beim Anstieg der Konzentrationen im Körper erst ab einer bestimmten Konzentration fast schlagartig zu entfalten. Die Verwendung einander entgegenwirkender Mittel zur Erzeugung steiler Kennlinien ist für viele Bereiche von Technik und Naturwissenschaft wohlbekannt. Die heutige Medizin ist bei der Behandlung ihrer wesentlich komplexeren Systeme aber noch lange nicht so weit. Daher wurden wohl auch die in diesem Artikel beschriebenen Wirkungen des Ingwers bislang schlicht übersehen. Da es sich bei der Paarung Agonisten/Antagonisten um ein in der Natur häufig vorkommendes Prinzip handelt, ist auch für andere Naturstoffe ab bestimmten noch zu bestimmenden Mengen mit vorher verkannten oder unerkannten Wirkungen aufgrund solchen nichtlinearen Verhaltens zu rechnen! Meerrettich, frisch gerieben, ist z.B. beim Pferd in einer Menge (Richtwert!) von ungefähr 20 bis 25 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht ein wirksames Antibiotikum, z.B. bei Einschuß, Kiefervereiterungen u.ä.). In geringerer Dosis von etwa 10 bis 12 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht beseitigt er noch Zahninfektionen und wirkt schleimlösend. Alten Pferde tut eine Meerrettichkur alle paar Wochen über mehrere Tage hinweg sehr gut. Das Wort Meerrettich (engl. horse radish) ist übrigens auch im deutschen der "Mährrettich". Der Wortstamm kommt von marha, germanisch für Pferd. Meerrettich ergänzt den Ingwer in fast idealer Weise! Er kann auch über viele Wochen verfüttert werden. Bis 8 Wochen (in eingeweichten Heucobs) habe ich noch keine Probleme festgestellt. Beim Menschen ist aber bei sehr langfristiger Einnahme in großen Mengen (mehr als 20 Gramm pro Tag, also mehr als ungefähr 30 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht) die Bildung von Magengeschwüren bekannt.

6.) Den Ingwer gibt man in der erforderlichen Menge solange, bis die Entzündung ausgeheilt ist, und senkt dann die tägliche Menge wieder kontinuierlich ab. Es versteht sich von selbst, daß bis zur Ausheilung die Schmerzlosigkeit nicht zur Arbeit des Pferdes ausgenutzt werden darf, da sich sonst die Ursache der niedergehaltenen Entzündung verschlimmern kann.

7.) Prinzipiell zählt Ingwer, obwohl ein Nahrungsmittel, zu den Dopingmitteln, wenn er in schmerz- und entzündungshemmender Menge verabreicht wird. Daher sind auch das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen und die FN darüber seit Mitte 2002 informiert! Dennoch fand der Ingwer seinen Weg in den Pferdeleistungssport. Bereits seit dem Jahr 2003 läuft z.B. auf deutschen Rennbahnen eine größere Anzahl von Pferden unter Ingwer. Keine der üblicherweise an Tieren durchgeführten klinischen Studien könnte meines Erachtens ein verläßlicherer und härterer Test sein. Nach dem Bekanntmachen des Falls "Renaissance Fleur" hat die Zahl der mit Ingwer gefütterten Pferde noch zugenommen und auch andere Bereiche erfaßt. Entdeckt wurden diese Fälle bislang offensichtlich noch nicht. Es fehlen anscheinend Nachweisverfahren oder es wird gar nicht darauf getestet. Im Rennsport kann man grob sagen, daß die Siegquote bei Rennpferden unter Ingwer um mindestens 30 bis 50% steigt. Dabei handelt es sich aber meiner Ansicht nach nicht unbedingt um Doping! Vielmehr sollte meines Erachtens ein erlaubter Grenzwert für Inhaltsstoffe oder Metaboliten des Ingwers im Blut festgesetzt werden, denn unterhalb der beschriebenen Schwellmenge wirkt Ingwer nicht mehr schmerzhemmend, sondern nur wohltuend, ist somit kein Doping sondern nur gutes Futtermittel. Die Pferde sind gesünder und laufen daher besser. Nach meinen ungefähr dreijährigen Erfahrungen mit Ingwer in der Pferdefütterung sieht es für mich so aus, als ob dem Pferd durch Ingwer ein Ersatz für das wiedergegeben wird, was der Mensch ihm genommen hat, als er es durch Domestikation vom Wandertier zum Haustier machte. Etwas ähnliches ist aus der menschlichen Ernährung bekannt (European Journal of Nutrition, Bd.40, S. 289, 2002). Durch den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist der Gehalt an Salizylsäure in den Pflanzen stark zurückgegangen. Salizylsäure wird normalerweise als Schutzmechanismus bei Krankheit und Schädlingsbefall gebildet. Beim Menschen vermindert sie die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Herzanfällen, Schlaganfällen und auch Krebs. Der Mensch ist offensichtlich evolutionär an ihre Aufnahme angepaßt, und die starke Verringerung der Menge in seinen heutigen Lebensmitteln wird mit einer Zunahme dieser Erkrankungen in Verbindung gebracht. Zum Teil muß sie dann bei Beschwerden künstlich durch Aufnahme von Acetylsalicylsäure (Aspirin) ausgeglichen werden. Niemand würde aber auf die Idee kommen, deshalb biologisch angebaute Pflanzen als Doping zu bezeichnen! Auch ist in der menschlichen Ernährung erst in den letzten Jahren die Bedeutung der Gewürze mehr und mehr erkannt worden, die eigentlich nach klassischer Ernährungstheorie, die nur auf Eiweiß, Kohlehydraten, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen basierte, völlig unerheblich hätte sein sollen. Gewürze beeinflussen aber z.B. den Blutdruck, die Blutfettwerte, den Zucker und vieles andere mehr. So senkt z.B. Zimt schon in Mengen von 1 bis 6 Gramm täglich bei Menschen die (schädlichen) LDL-Cholesterinwerte und den Zucker um 10 bis 30% (Diabetes Care, Nov. 2003, Bd. 26, S. 3215) und hat damit ähnlich starke Wirkungen wie ein Medikament. Und dies ohne Nebenwirkungen. Nahrung läßt sich nicht mit einigen wenigen Parametern umreißen. Sie besteht aus zigtausenden von Verbindungen, von denen viele miteinander wechselwirken.

8.) Für alte Pferde scheint eine dauerhafte Gabe bis zum Lebensende von etwa der Hälfte der oben angegebenen Schwellmenge (also 1,5 bis 2 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht) gesundheitlich von Vorteil zu sein. Ich würde dazu schon ab einem Alter von etwa 15 Jahren raten, auch wenn noch keine Beschwerden sichtbar vorhanden sind. Das Blut wird dünner, Heilungen finden auch in den schlechter durchbluteten Extremitäten schneller statt. Thrombosen verschwinden langsam oder werden schwächer, Beine laufen weniger an, der Kreislauf wird entlastet, der Fellwechsel scheint schneller abzulaufen. Die Pferde werden wieder "jünger". Um wieviel die Lebenserwartung von Pferden durch Ingwer steigt, läßt sich noch nicht genau sagen und ist natürlich von der Belastung abhängig. Ich schätze die Zunahme bei Gnadenbrotpferden auf durchschnittlich mindestens 1 bis 2 Jahre. Dies hängt mit den auch schon beim Menschen beobachteten Wirkungen des Ingwers aufgrund seiner Gesamtheit an Inhaltsstoffen zusammen: Hemmung der Plättchenaggregation im Blut, vasodilatorische Wirkung, Steigerung des Stoffwechsels, verdauungsfördernd, vermutlich auch antikarzinogen. Er wird seit langem gegen Seekrankheit und bei Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt. In früheren Zeiten wurde Ingwer auch gereicht, um einige Heilkräuter magenverträglicher zu machen. Auch bei Magengeschwüren wurden gute Ergebnisse erzielt. In einigen Ländern gilt er als Aphrodisiakum. Eine solche Wirkung scheint zumindest bei Stuten gegeben zu sein. Ihre Rosse wird verstärkt, was den Einsatz bei problematischen Stuten in der Zucht sinnvoll machen könnte (halbe Dosierung, also etwa 1,5 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht). Für Hengste im Deckeinsatz liegen mir keine Berichte vor. Bei meinen Wallachen konnte ich aber keine "androgenen Effekte" beobachten. In China wird Ingwer mit einem langen Leben in Verbindung gebracht. (Von dem chinesischen Philosophen Konfuzius (551 - 479 v.Chr.) ist bekannt, er habe jeden Tag und in jeder seiner Mahlzeiten Ingwer zu sich genommen. Und wenn er auch selbst dadurch nicht bis heute überlebt hat, so haben immerhin seine Weisheiten bis in unsere Zeit überdauert!) Neue Untersuchungen (Veröffentlichung durch die Amerikanische Vereinigung für Krebsforschung am 28.10.2003) belegen für Ingwer bei Mäusen eine deutliche hemmende Wirkung bei Darmkrebs! Aufgrund der Berichte über antikarzinogene Wirkungen habe ich seit Anfang 2003 die Wirkung von Ingwer auf Melanome bei Schimmeln näher beobachtet. Melanome eignen sich hierfür sehr gut, vor allem im Anfangsstadium, weil ihre Größe und Zahl äußerlich leicht erkennbar sind. Bei Ingwerdosierungen unterhalb der Schwellmenge (ich verwendete 1,5 bis 2 Gramm tansanianischen Ingwer pro 100 Kilo Körpergewicht) nahm die Anzahl und Größe der Melanome immer noch zu, wobei ich nicht sagen kann, ob sie ohne Ingwer schneller zugenommen hätte. Zur Zeit füttere ich 3 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht und bin vorsichtig optimistisch, das Wachstum gestoppt oder stark verlangsamt zu haben. Die oben für Gelenkerkrankungen genannte Schwellmenge könnte also auch hier als Schwellmenge fungieren. Genaueres wird man in etwa einem halben Jahr wissen. Wenn man dies auf Menschen übertragen kann, wäre dort mit Mengen von ungefähr 20 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht zu rechnen (siehe hierzu weiter unten).

9.) Von einer Verfütterung von käuflichen Ingwerextrakten möchte ich dringend abraten! Die reinen Gingerole reizen, wie alle nichtsteroidalen Schmerz- und Entzündungshemmer, den Verdauungstrakt. Es sind die vielen weiteren Inhaltsstoffe des Ingwers, die für die ausgesprochene Magenfreundlichkeit verantwortlich sind.

10.) Alle Einflüsse, die sich negativ auf Entzündungen im Körper auswirken können, sollten tunlichst unterbleiben. Dazu gehört auch für Pferde ungeeignetes Futter. Auch Menschen mit Gelenkerkrankungen bekommen "Schonkost" und kein normales Essen. Als Futter, bei dem zumindest die Gefahr einer Verstärkung von Entzündungen besteht, ist alles zu betrachten, auf was Pferde evolutionsbedingt nicht angepaßt sind. Besonders Brot wirkt nach meinen Beobachtungen verstärkend auf bereits vorhandene Entzündungen. Der Grund mag in den durch das Erhitzen entstandenen Aromastoffen liegen. Obwohl bei völlig gesunden Pferden kein offensichtlicher Einfluß auf die Gelenke zu Tage tritt, sollte Brot meines Erachtens daher besser völlig aus dem Ernährungsplan von Pferden gestrichen werden.

11.) Langfristige Fütterung von Ingwer in einer Dosis von bereits 1,5 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht und Tag (Warmblüter) führt zu einer sehr deutlichen Verminderung im Wurmbefall. Auch beim Menschen ist bekannt, daß Gewürze Parasitenbefall niederhalten können. Darüberhinaus wird Ingwer in tropischen Ländern traditionell bei Bilharziose eingesetzt, ebenfalls einer Wurmerkrankung. Nach 3 Wochen, bei starkem Befall nach spätestens 6 Wochen, sind die Tiere "wurmfrei", wenn die Koppeln nicht zu stark verwurmt sind. Der Erfolg sollte daher nach diesem Zeitraum durch eine Kotprobe kontrolliert werden. Die Wirkung zeigt sich aber meistens auch durch Gewichtszunahme und glänzendes Fell. Die genannten Werte gelten für tansanianischen Ingwer mit hohem Gehalt (3,8%) an ätherischen Ölen. Ob Ingwer mit geringerem Ölgehalt auch auf Würmer wirkt, habe ich noch nicht untersuchen können. Über die Verwendung von Ingwer gegen Schmerzen und Entzündungen beim Menschen laufen Untersuchungen in Australien, die allerdings aus patentrechtlichen und wirtschaftlichen Gründen auf chemische Abwandlung seiner Inhaltsstoffe abzielen (Phenylalkanole). Eine Veröffentlichung liegt meines Wissens hierzu noch nicht vor. Es ist aber in der Veterinärmedizin bekannt, daß die meisten Medikamente beim Pferd besser wirken, als beim Menschen. So beträgt z.B. die entzündungshemmende Dosis Aspirin beim Warmblutpferd etwa 3 Gramm am Tag, beim viel leichteren Menschen 1 bis 2 Gramm! Bei Ingwer ist dieses Verhältnis noch extremer. Ein Grund dafür könnte sein, daß die Gingerole des Ingwers nichts sehr säurebeständig sind und der Mensch eine ausgeprägtere Magenverdauung als das Pferd hat, für welches der Magen mehr "Desinfektionskammer" und Schleuse zum Darm ist. Für getrockneten Ingwer mit etwa 2,5% Scharfstoffgehalt wurden von anderen und auch mir notwendige Mengen zwischen 15 und 30 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht und Tag bei Gelenkerkrankungen des Menschen ermittelt. Auch hier war ein sehr plötzliches Einsetzen der Wirkung erst ab dem Überschreiten einer Schwellmenge zu beobachten. Das bedeutet, daß ein Mensch also etwa sieben Mal weniger empfindlich auf die schmerz- und entzündungshemmende Wirkung des Ingwers reagiert, als ein Pferd! In einem Fall wurde von starken Blähungen als Nebenwirkung berichtet (18 Gramm Ingwer bei 60 Kilo Körpergewicht), dafür half der Ingwer hier allerdings nicht nur gegen die Arthroseschmerzen, sondern sogar gegen eine Fibromyalgie. Bei Ödemen in den Beinen halfen 8 bis 12 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht. Bei Hunden scheint die Dosis noch etwas höher zu liegen als beim Menschen. Bei einem Schäferhund mit 30 Kilo Gewicht muß zur Schmerzbehandlung mit etwa 10 Gramm pro Tag gerechnet werden. Hunde sind allerdings gegenüber Ingwer wesentlich mäkliger als Pferde, vermutlich des Geruches wegen, weshalb man öfters die Schwierigkeit hat, die wirksame Menge überhaupt zu erreichen.

12.) Ingwer hilft nicht gegen Infektionen! (Hier kann man aber wirkungsvoll Meerrettich einsetzen!) Da er aber deren Symptome teilweise überdeckt, muß (ab einer Menge von ungefähr 3 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht) verstärkt darauf geachtet werden. Treten bei der Verfütterung von Ingwer Schwierigkeiten auf, sollten daher bakterielle oder virale Infektionen in Betracht gezogen werden. Besonders gilt das für Zahnprobleme, aber auch z.B. für Borreliose. In einigen Fällen kann es auch geschehen, daß eine zuvor lange verborgen gebliebene Infektion, durch Ingwerfütterung erst offen zutage tritt. Dies liegt daran, daß der Körper bei einer bakteriellen Infektion mit Hilfe der Entzündungsreaktion versucht, auch die Infektionserreger zu bekämpfen. Durch Hemmung der Entzündung kann daher auch die Bekämpfung der Erreger gehemmt sein. Dies ist ein für alle entzündungshemmenden Mittel bekannter Mechanismus.

Ich möchte betonen, daß Ingwer den Tierarzt nicht ersetzen kann und soll. Ingwer sollte nur eingesetzt werden, wenn die tierärztliche Diagnose feststeht oder die eigene sicher ist, oder es sich um altersbedingte Schäden handelt, bei denen man sowieso nur noch Symptome behandeln kann. Er sollte aber auch von allen verantwortungsvollen Tierärzten zum Wohle der Tiere in so vielen Fällen wie möglich eingesetzt werden, auch als Nachversorgung zur Unterstützung von langfristigen Heilungen.

Der Bezug einer geprüften Qualität direkt über den Tierarzt ist aber noch nicht möglich. Ein noch spekulatives aber sehr hoffnungsvolles Einsatzgebiet von Ingwer beim Menschen könnte übrigens die Alzheimersche Krankheit, vielleicht auch Parkinson, sein. So wurde bereits in vielen großangelegten Untersuchungen bestätigt, daß die nichtsteroidalen Schmerz- und Entzündungshemmer bei langfristiger Gabe über mehrere Jahre das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um bis zu 80 % senken! (Z.B. von Forschern des Erasmus-Medizinzentrums in Rotterdam, veröffentlicht in "New England Journal of Medicine", Nov. 2001, Bd. 345, S. 1515; oder von der University of California, veröffentlicht Nov. 2001 in "Nature").

Weiterhin wurde sogar gefunden, daß nichtsteroidale Entzündungshemmer sogar bereits entstandene Alzheimer-Plaques wieder auflösen können (J.R. Barrio u.a. in "Neuroscience", Ausgabe vom 31.3.2003)! Einen noch stärkeren Hinweis, daß die Inhaltsstoffe des Ingwers ebenfalls gegen Alzheimer wirksam sein sollten, geben neueste, sehr erfolgreiche Forschungen mit dem ebenfalls entzündungshemmenden gelben Farbstoff Curcumin aus Gelbwurz (Curry). Bei Curcumin zeigte sich eine starke Wirksamkeit bei Demenz von Mäusen und ebenfalls ein Abbau sogar bereits bestehender Alzheimer Plaques (G. Cole, Journal of Biological Chemistry, Online-Vorabveröffentlichung, Dez. 2004). Darüberhinaus gibt es neue Studien, die nahelegen, daß Medikamente, die bei Alzheimer wirken, auch bei Parkinsonscher Krankheit ausprobiert werden sollten (B. Gaisson u.a. in "Science", Apr. 2003, Bd. 300, S. 636). Da Ingwer ebenfalls genauso wie ein nichtsteroidales schmerz- und entzündungshemmendes Mittel wirkt, ist ein positiver Einfluß also auf beide Erkrankungen möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich.

Eine langfristige Fütterung von Ingwer in halber bis 2/3 Menge der Schwellmenge scheint übrigens Heilungsreaktionen des Körpers sowohl an Gelenken, wie auch an Sehnen deutlich zu beschleunigen. Sogar eine zuvor von Jahr zu Jahr größer werdende Hornsäule bei meinem 17-jährigen englischen Vollblüter (Barfußpferd) zeigt auf den neuen Röntgenaufnahmen nach einem Jahr Ingwerfütterung in halber Dosierung einen leichten Rückgang um 15 bis 20% an (siehe Fig. 2a und Fig. 2b). Gleichzeitig zur Ingwergabe erhält er noch eine huforthopädische Behandlung (Biernat-Schule). Diese kann aber erfahrungsgemäß ohne Ingwer nur helfen einen Status Quo zu halten. Die äußerlich sichtbare Hufgelenksschale meines nun 34-jährigen Wallachs, die sich während 7 Monaten akuter Entzündung unter schmerzhemmender Ingwerdosis gebildet und zu einer steilen Hufform geführt hatte, entwickelte sich nach Reduzierung der Ingwermenge auf die halbe Dosis, die nicht mehr schmerz- und entzündungshemmend wirkt, binnen des folgenden dreiviertel Jahres stark zurück.

Die Huppel am Kronsaum (Bindegewebe) schrumpfte dabei auf etwa ein Viertel des anfänglichen Volumens und der Huf lief sich wieder in seine frühere Form. Eine Röntgenaufnahme, die leider erst 1 Jahr nach dem Ende der akuten Phase aufgenommen wurde, zeigte, daß die Gelenkspalten wieder frei sind (siehe Fig. 3a). Eine weitere Röntgenaufnahme ungefähr 1 Jahr später zeigt keinerlei Veränderungen an den Knochenauswüchsen gegenüber der ersten Aufnahme. Der Zustand der knöchernen Auswüchse ist wie eingefroren (siehe Fig. 3b). Ohne Ingwerfütterung hätten die Auswüchse zunehmen und das Bein noch dicker werden müssen. Der äußerlich sichtbare Rückgang von Schale bei langfristiger Ingwerfütterung wurde mir bereits auch von mehreren anderen Anwendern bestätigt. Auf den Röntgenaufnahmen (Fig. 3a und 3b) meines alten Wallachs ist darüberhinaus eine nur sehr geringfügige Verknöcherung seines Hufknorpels zu erkennen. Inwiefern dies mit dem Ingwer zusammenhängt, ist aber nicht klar, weil Röntgenaufnahmen vom Zustand vor der Fütterung fehlen. Ich vermute auch eine Ursache darin, daß er keine angereicherten Fertig- und Mineralfuttermittel erhält. Durch Kalzium in Verbindung mit Vitamin D lassen sich Kalkablagerungen sogar mitten in Muskeln hervorrufen.

Ich bin sicher, daß eine Überversorgung mit Kalzium und Vitamin D einer der Gründe für den heutzutage viel zu oft auch schon bei jungen Pferden festgestellten Befund "Hufknorpelverknöcherung" ist. Welche Inhaltsstoffe und Kombinationen derselben im Ingwer maßgeblich für welche Wirkungen zuständig sind, ist noch nicht untersucht. Gegenüber den üblicherweise von einem Tierarzt verordneten Mitteln hat der Ingwer jedoch meines Erachtens den Vorteil, aus einem Gemisch aus hunderten von wirksamen Sustanzen zu bestehen, so daß die Wahrscheinlichkeit groß ist, daß auch Substanzen dabei sind, die dem Körper helfen, auch solche Schäden zu reparieren, die der Arzt noch gar nicht diagnostiziert hat. Dies ist eine Aufgabe, die ein gutes Nahrungsmittel haben sollte. Daß viele Pferde den Geruch von Ingwer in konzentrierter Form nicht mögen, läßt sich übrigens vorteilhaft ausnützen, um sich selbst kostengünstig eine Paste zur Anwendung bei Koppern herzustellen, die nicht die gesundheitsschädliche Wirkung käuflicher Pasten besitzt: Hierzu verrührt man etwa 50 Gramm gemahlenen Ingwer in 100 Gramm nur leicht erwärmter Vaseline und läßt wieder erkalten.

Meistens muß man diese Creme alle paar Tage auf die Oberflächen dick auftragen, auf denen das Tier mit den Zähnen aufsetzt. Während Ingwer sich bereits seit Jahrtausenden beim Menschen als Lebensmittel bewährt, ist er nicht zu den pferdetypischen Futtermitteln zu zählen, an welche sich das Pferd im Laufe der Evolution angepaßt hat. Daher war auch wichtig abzuklären, ob sich nicht doch bei langfristiger Gabe im Laufe der Zeit Nebenwirkungen zeigen, auch wenn diese äußerlich noch nicht erkennbar sind. Abgesehen vom nun schon mehr als zweijährigen Einsatz im Leistungssport, in dem sich Schwächen schnell zeigen würden, liegen solche Werte nun für die niedrigen Dosierungen vor. Zwei Jahre nach Beginn der Ingwerfütterung an meinen nun 34-jährigen immer noch rüstigen Wallach hatte ich ein großes Blutbild machen lassen: Weder Niere noch Leber haben in dieser Zeit Schäden davongetragen! Es liegen sogar Berichte von anderen Pferden vor, daß Ingwer die Leberwerte alter Pferde gebessert habe. Das Tier ist immer noch quietschfidel! Nur fünf fehlende Backenzähne bereiten mir etwas Kummer, weil das wichtige gleichmäßige Heufressen dadurch erschwert wird. Ohne Ingwer wäre er, und mit ihm viele andere, ziemlich sicher schon im Pferdehimmel!

Die Tabelle in Fig. 4 faßt einige der Beobachtungen zur Fütterung von Ingwer zusammen (Afrikanischer Bio-Ingwer mit ungefähr 2,5% Scharfstoffgehalt):

Meerrettich, frisch gerieben, ist beim Pferd in einer Menge (Richtwert!) von ungefähr 20 bis 25 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht ein wirksames Breitband-Antibiotikum gegen grampositive und gramnegative Bakterien (z.B. bei Einschuß, Kiefervereiterungen u.ä.). Bei sehr schwerem Einschuß, bei dem auch die Haut schon einriß, waren nach Beobachtung einer Pferdebesitzerin mehrwöchige Gaben von bis zu 35 Gramm Meerrettich pro 100 Kilo Körpergewicht bei gleichzeitiger Verabreichung von 5 Gramm Ingwer pro 100 Kilo Körpergewicht nötig! In geringerer Dosis von etwa 10 bis 12 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht beseitigt Meerrettich noch Zahninfektionen und wirkt schleimlösend. Alten Pferde tut eine Meerrettichkur alle paar Wochen über etwa eine Woche hinweg sehr gut.

Der Meerrettich muß frisch gerieben sein, weil einige seiner Wirkstoffe, die aus Vorläufersubstanzen erst bei der Zerstörung der Zellwände entstehen (z.B. Allylsenföl aus Sinigrin) nicht sehr stabil sind und sich relativ schnell zersetzen. Bevorzugt gibt man den Meerrettich in einer Portion am Tag, denn einige seiner wirksamen Verbindungen (Senföle) sind flüchtig (hoher Dampfdruck) und werden durch den Körper schnell wieder ausgeschieden, auch ausgeatmet. Gibt man den Meerrettich hingegen in kleinen Portionen über den Tag verteilt, so ist nicht gesagt, daß man die wirksame Mindestkonzentration im Körper überhaupt erreicht, weil der Körper nämlich schon längst mit der Ausscheidung der vorherigen kleinen Gabe begonnen hat, bevor die nächste zugeführt wird. Das Wort Meerrettich (engl. horse radish, also Pferderettich) ist übrigens auch im deutschen der "Mährrettich". Der Wortstamm kommt von marha, germanisch für Pferd, und hat sich in unserer "Mähre" und dem englischen Wort "mare" für das weibliche Pferd erhalten.

Meerrettich ergänzt den Ingwer in fast idealer Weise! Er kann auch über viele Wochen verfüttert werden. (Dies sollte man zur Ausheilung einiger Arten von Erkrankungen, z.B. Kiefervereiterungen, auch tun!). Bei einer Verfütterung bis zu 8 Wochen (in eingeweichten Heucobs) habe ich noch keine Probleme festgestellt, außer einer geringfügigen Abnahme der Menge an roten Blutkörperchen. Bei Gabe eines herkömmlichen Antibiotikums über 8 Wochen wäre hingegen wohl mit schwersten Nebenwirkungen zu rechnen! Beim Menschen ist allerdings bei sehr langfristiger Einnahme in großen Mengen (mehr als 20 Gramm pro Tag, also mehr als ungefähr 30 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht) die Bildung von Magengeschwüren bekannt. Allerdings nehmen Menschen Meerrettich auch nicht in bekömmlicher Form zusammen mit eingeweichten Heucobs auf. Dennoch ist es sicherer, Meerrettich nicht wie Ingwer jahrelang als Dauerfutter einzusetzen, sondern intervallmäßig

Durch Meerrettich lassen sich offenbar vielfältige bakterielle Infektionen effektiv bekämpfen. Dies gilt jedoch vermutlich nicht für virale Infektionen. Man spricht zwar dem Meerrettich gewisse antivirale Eigenschaften zu, ich habe diese jedoch selber noch nicht auf ihre Stärke hin überprüfen können, und es ist auch eher unwahrscheinlich, daß eine starke solche Wirkung vorhanden ist. Es schadet aber nicht, bei einer viralen Infektion dennoch den Versuch mit Meerrettich zu unternehmen, denn zumindest Sekundärinfektionen durch Bakterien, die häufig ein Problem bei viralen Infektionen darstellen, werden dadurch beseitigt.

Ceterum censeo ...

Mit an die Ursachen angepaßten Dosierungen von gutem Ingwer ist man in der Lage, viele häufig vorkommende Entzündungen, die wiederum Ursachen von Schmerzen sind, und auch Schmerzen selbst, zu unterdrücken. Der Meerrettich wiederum bietet die Möglichkeit, viele bakterielle Infektionen zu bekämpfen, die wiederum häufig Ursache von Entzündungen und Schmerzen sind. Vor all dem steht aber die Vorsorge, die so gut es geht verhindern soll, daß es überhaupt zu Infektionen und Entzündungen kommt.

Hier spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Im Laufe der Evolution haben sich die Pferde an das Futter angepaßt, wie sie es in der Natur vorfinden. Mit den Worten des Galopprenntrainers Heinz Jentzsch: "Das Pferd hat nicht umsonst diese langen Därme, sondern es hat sie, um aus dem Futter, das es vorfindet, das herauszuziehen, was es braucht!" Die Domestikation durch den Menschen hat hier zu Änderungen geführt, die aber durch entsprechende Selektion in der Zucht über die Jahrhunderte teilweise kompensiert wurde. Vor allem muß darauf hingewiesen werden, daß sich bei dieser Domestikation zum Hauspferd der Gehalt an Mineralien und Spurenelementen im klassischen Pferdefutter Heu, Hafer, Gras gegenüber der vielseitigeren Ernährung der Wildpferde nur geringfügig änderte. Dies steht in krassem Widerspruch zu dem, was in der "modernen" Pferdefütterung durchgeführt wird.

Die Gehalte in den modernen angereicherten Futtermitteln führen dazu, daß die Pferde, die solchermaßen versorgt werden, das Doppelte und teilweise noch mehr dessen an Spurenelementen zu sich nehmen, wie die konventionell gefütterten und damit auch wie die Wildpferde. Der Grund dafür ist, daß diese Bedarfswerte aus der Tiermast übernommen und an Pferden nie wirklich langfristig getestet wurden. Als besonders drastisches Beispiel möchte ich das Kupfer anführen: Würden Schafe mit Futter versorgt, wie es für Pferde empfohlen wird (durchschnittlich mindestens 10 mg Kupfer pro Kilo Trockensubstanz), so würden die Tiere nach einiger Zeit krank oder sogar an Kupfervergiftung sterben.

Nun haben aber Pferde und Schafe jahrhundertelang mit dem gleichen natürlichen Futter (durchschnittlicher Kupfergehalt um die 5 Milligramm pro Kilo Trockenmasse) friedlich koexistiert. Und plötzlich soll das nicht mehr gelten, sollen Pferde deutlich höhere Bedarfswerte aufweisen? Evolutionsbiologisch betrachtet ist das Unsinn! Und es führt auch nicht zu einer Leistungssteigerung, wie manche Befürworter sagen, die anführen, das heutige Zuchtpferd unterscheide sich von damaligen Pferden. Der "Weltmeister" der Galopprenntrainer Heinz Jentzsch hat seine hochgezüchteten englischen Vollblüter ohne Zufütterung von Kupfer zum Sieg geführt. Seine Pferde wurden klassisch ernährt, erhielten allerdings einen Vitaminsirup (Peptonic), weil Rennpferde im Training kein vitaminreiches Gras bekommen. Seine Beobachtungen zeigten sogar, daß alle Rennpferdetrainer, die von diesem Schema abwichen, nach einiger Zeit in der Versenkung verschwanden.

Der Grund hierfür ist, daß das Pferd nicht an die Aufnahme unnatürlich großer Mengen an Spurenelementen und Vitaminen angepaßt ist, genauso wenig, wie der Mensch an die Aufnahme übergroßer Mengen Nahrung. Was anfangs scheinbar wenig ausmacht, oder vorübergehend sogar nützt, läuft nach einiger Zeit völlig aus dem Ruder. Die Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen beeinflußt auch die Reaktion des Körpers auf Bakterien und Viren. Um die negativen Auswirkungen viraler Infektionen zu vermindern empfiehlt es sich daher, auf die Fütterung von Mineral- und angereichertem Fertigfutter zu verzichten.

Vor allem Zink, welches gemeinhin als wichtig für das Immunsystem dargestellt wird, ist hier wohl mit Vorsicht zu betrachten. Es ist nämlich bekannt, daß Viren dringend Zink für ihre Vermehrung benötigen (für so genannte Zinkfingerenzyme). Sie benötigen dieses Zink oft dringender, als die Zelle selbst, die sie für ihre Vermehrung eingespannt haben. Bekannt ist dies zum Beispiel auch für den HIV-Virus. HIV-Infizierte entwickeln unter Zinksupplementen wesentlich schneller das volle Krankheitsbild AIDS und sterben auch deutlich früher, als solche, die keine Supplemente erhalten (Am.J.Epidemiol. 1996; 143 (12), S. 1244 bis 1256: "Effects of micronutrient intake on survival in human immunodeficiency virus type 1 infection").

Wenn etwas dem Angreifer mehr nützt als dem Verteidiger, dann darf es nicht zugeführt werden. Kein General käme auf den Gedanken, über einem Kampfgebiet (dem Körper) Nahrungsmittel (Zink) abzuwerfen, wenn diese dem Angreifer (Erreger) mehr nützen als dem Verteidiger (Immunsystem). Genau dies geschieht aber leider in der heutigen Tierfütterung. Das dermaßen "gedüngte" Keime leichtes Spiel haben (wie man kürzlich wieder bei Herpesvirus Infektionen der Pferde sehen konnte), ist dann nicht verwunderlich.

Dr. Stefan Brosig