Der Kentucky Horse ParkDas Land der Pferde...
Nächstes Jahr ist es endlich wieder soweit...Das erste Mal in der Geschichte der Weltreiterspiele werden diese vom 25. September bis zum 10. Oktober 2010 außerhalb von Europa gehalten, nämlich im wunderschönen Kentucky / USA.
Jeder der sich mit Pferden beschäftigt hat bestimmt schon etwas vom Kentucky Horse Park, dem Austragungsort der Weltreiterspiele 2010 gehörÜbrigens wird zum ersten Mal in der Geschichte der Weltreiterspiele ein Sponsor im Namen erwähnt: nämlich die Firma Alltech, ein weltweiter Biotechnologie Konzern.
Doch was ist der Kentucky Horse Park (kurz: KHP) eigentlich? Etwas Vergleichbares gibt es weltweit nicht, und wer meint die Aachener Soers wäre groß, der wird über die Größe des KHP nur staunen.
Wenn man an den Horsepark denkt, denkt man automatisch an kilometerlange, weiße Zäune, riesige Ställe und saftig grüne Wiesen mit vielen Pferden. So fern ist der Gedanke gar nicht, denn im Kentucky Horse Park werden Reiterträume wahr. Nicht umsonst heißt die Region "Blue Grass Region" denn das Gras ist so saftig, dass es bläulich schimmert. Gegründet wurde der KHP im Jahre 1978 in Lexington, Kentucky. Er umfasst heute ein Gebiet von knapp 5 Quadratkilometern und beheimatet hunderte von Pferden, darunter einige vom Aussterben bedrohte Rassen.
Doch wie kam es eigentlich zum KHP?
Die Geschichte des KHP:
Im Jahre 1777 schenkte Patrick Henry, der damalige Gouverneur von Virginia, 9000 Hektar Land William Christian, als Belohnung für seinen Dienst im französischen und indischen Krieg. Als nun reicher Bewohner Virginias, zog Oberst Christian mit seiner Familie im Jahr 1785 nach Kentucky und baute einen Bauernhof auf dem geschenkten Gelände "Beargrass Creek" in der Nähe von Louisville. William Christian wurde von Indianern im Jahr 1786 getötet, und seine Tochter Elizabeth Dickerson, erbte den Elkhorn Creek-Darm-Trakt und knapp 3.000 Hektar dazugehörendes Land. Ein Teil dieses Gebiets gehört heute zum KHP.
Elizabeth verkaufte nach dem Tod des Vaters schließlich den größten Teil ihres Landes an ihren Bruder, Dr. Walter Warfield. Er verkaufte es wiederum an einen seiner Kollegen, Dr. William H. Richardson im Jahr 1826. Richardson nannte sein neues Land Caneland, benannt nach der Fülle des wild wachsenden Zuckerrohrs das er auf den Feldern fand. Caneland wurde für seine wunderschönen englischen Gärten bekannt
und war die erste Farm in Kentucky die ein Gewächshaus auf dem Gelände besaß. Richardson war auch der erste Vollblutpferdebesitzer im Land, der diese edler Tiere auf seinem Gelände großzog. In den 1840er Jahren wurde die Familie Richardson stark von der Cholera-Epidemie getroffen die durch Lexington geisterte. Fast die komplette Familie wurde von der Epidemie ausgelöscht.
Im Jahre 1850 wurde der Hof an Eliphalet Muir verkauft. Eliphalet heiratete Anne Boone, eine Nichte von Daniel Boone. Gemeinsam bauten sie weiter den Hof auf und spezialisierten sich auf die Aufzucht von Saddlebreds. Nach dem Tod von Muir, wurde der Hof wieder an S.J. Salyers verkauft und der Erlös unter den vielen Erben von Eliphalet Muir verteilt.
Salyers begann erneut Vollblüter auf dem Anwesen zu züchten. Er war auch verantwortlich für den Aufbau des Gebäudes, das heute die Büros im Kentucky Horse Park beheimatet. Das Haus, das im Jahre 1866 abgeschlossen wurde, wurde auf der Grundlage eines noch älteren Hauses, das vor dem Bürgerkrieg (wahrscheinlich das Richardson Herrenhaus) abbrannte gebaut. Im Jahr 1890 wurde das Anwesen wieder verkauft. Diesmal an John D. Creighton. Creighton nannte das Land in Wilkes Ashland-Farm um, und fing an Traber zu züchten und zu trainieren. Er baute 1897 eine Trainingsbahn, die noch heute im KHP genutzt wird. Leider war Creighton gezwungen, seinen Betrieb kurz darauf wieder zu verkaufen um seine vielen Gläubiger zufrieden stellen zu können.
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Nach dem Verkauf gehörte das Anwesen für eine kurze Zeit zwei Bankern aus Lexington. Sie verpachteten das Land an den Oberst Milton Young, Inhaber des McGrathiana Anwesens (jetzt Spindletop und Coldstream Farms). Young schickte einige seiner Traber Jährlinge auf Auktionen nach New York, die der Agent von Captain Sam S. Brown sah. Captain Brown gefielen Young´s Pferde so sehr, dass er beschloss ihr Zuhause aufzukaufen um weiterhin Pferde von diesem Kaliber züchten zu können.
Ein reicher Kohlebaron namens Braun baute die Farm schließlich um und benannte sie nach einer seiner Lieblings Stute: die Senorita Stud Farm. Er war auch verantwortlich für den Wiederaufbau der alten Kentucky Racetrack Association in Lexington, die schließlich nach Versailles Road verlegt und in Keeneland umbenannt wurde. Brown baute Wassertürme rund um den Hof um seine Pferde mit frischem Wasser aus der Quelle versorgen zu können.
Brown stellte mit dem Kentucky Derby Sieger von 1884 "Buchanan" ein wertvolles Pferd in den Stall. Leider war sein Erfolg zum Scheitern verurteilt, da ihm seine angeschlagene Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machte. Er starb kurze Zeit später. Der Hof wurde in einer öffentlichen Versteigerung an Lamon V. Harkness verkauft. Harkness benannte die Farm wieder um, die diesmal den Namen Walnut Hall trug. Er legte damit den Grundstein für eines der größten und bekanntesten Trabergestüte weltweit. Aus den anfänglichen 450 Hektar und 12 Stuten im Jahr 1894 wurden im Jahre 1904 2.000 Hektar Land und 100 Zuchtstuten.
Der große Stall, der noch heute im Park steht, wurde von Harkness im Jahre 1897 gebaut. Der "Big Barn" ist 145 Meter lang, verfügt über 52 Ständer und einer großen Auktionsfläche. Es war einer der größten Pferdeställe die je gebaut wurden und die Baukosten beliefen sich damals auf über $ 15.000.
Das Land wurde an seine Tochter übergeben, Lela Harkness Edwards. Nach weiteren Überschreibungen der Farm wurde der Hof schließlich im Jahr 1947 geteilt und der Grundstein für den KHP wurde letztendlich gelegt.
Im Jahr 1972 verkaufte Mary Edwards ihr Eigentum an den Commonwealth of Kentucky für 2,7 Millionen Dollar. Im Jahr 1978 wurde der weltweit einzigartige, dem Verhältnis zwischen Mensch und Pferd gewidmete KHP der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit nunmehr 200 Jahren leben Pferde auf diesem Gelände.
Wie man sieht, hat der KHP eine bewegende Geschichte mit vielen Besitzerwechseln und Umbauten hinter sich. Der KHP ist übrigens auf eine schöne Art und Weise mit Deutschland verbunden. Neben den vielen lebenden Pferden ist der Horsepark natürlich auch für seinen Pferdefriedhof und die vielen tollen Pferdedenkmäler bekannt. Eines der bekanntesten Denkmäler ist das des erfolgreichsten Vollblüters des 20. Jahrhunderts: "Man o War". Seine erste Statue stand über seinem Grab auf dem Gelände der Faraway Farm, wo er 1948 verstarb. Sowohl sein Grab als auch die Statue wurden im Jahr 1977 in den Kentucky Horse Park verschoben.
Im Jahre 1963 schoss der Fotograf Peter Thomann in der Nähe von Dülmen ein Foto, dass später weltberühmt werden sollte: eine Dülmener Stute mit ihrem Fohlen. Für diese Arbeit gewann er 1963 den World Press Photo Award. Das Bild ist auf der ganzen Welt bekannt und wurde im Jahr 1978 als Inspiration für das KHP Logo benutzt. Die Wenigsten wissen, dass dieses berühmte Logo, zwei deutsche Wildpferde zeigt...
Weitere 12 Pferdestatuen schmücken den KHP darunter Abbilde des berühmten Vollblüters "Secretariat" oder eines Morgan Horses als Hommage an diese tolle, amerikanische Pferderasse.
Der "Memorial Walk of Champions" ist die letzte Ruhestätte von einigen der besten Pferde der letzten drei Jahrzehnte auf der Rennbahn und im Showring, alles ehemalige Bewohner der KHP Hall of Champions. Darunter unter anderem der achtmalige Eclipse-Award-Gewinner "Forego", Kentucky Derby Sieger von 1976 "Bold Forbes", American Saddlebred Champions "CH Imperator" und "CH Sky Watch" sowie Traber Stars wie "Rambling Willlie" und "Cam Fella". Alle haben ihre letzte Ruhe auf dem wunderschön gestalteten Gelände hinter der Hall of Champions gefunden.
Den Besuchern des KHP wird sehr viel geboten, von der Rassenparade mit über 28 verschiedenen Pferderassen, über Vorführungen des KHP Nachwuchses bis zu Kutschtouren die von den imposanten Draft Horses gezogen werden. Im internationalen Pferdemuseum kann man sich über die 50 Mio. alte Geschichte des Pferdes informieren und viele Trophäen, kostbare Artefakte, Kunst, Kutschen und vieles mehr bewundern. Natürlich kommt auch das reiten nicht zu kurz, und wer möchte kann auf dem Rücken des Pferdes den Park erkunden oder an seinen reiterlichen Fähigkeiten arbeiten.
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Ein Besuch lohnt sich also auf jeden Fall und mit seinen idealen Trainingsbedingungen mit etlichen Reitplätzen und -hallen, einem wunderschönen Gelände, hunterten von Pferdeboxen und viel Platz für Mensch und Tier ist es der ideale Austragungsort der Weltreiterspiele 2010. Wo sonst wenn nicht hier sollte die Welt des Pferdesports aufeinander treffen...
Auf der Homepage des KHP kann man stundenlang schmöckern und viel über die vierbeinigen Bewohner erfahren:
Auch der Countdown zu den Weltreiterspielen läuft und hier kann man sich über die neusten Entwicklungen dazu informieren:
http://www.alltechfeigames.com/
Bilder: Kentucky Horse Park, Bing Maps Text: Horseteam e.V. ![]()