Rezension der Zeitschrift "Piaffe"

Vor einigen Tagen entdecke ich an der Tankstelle eine Zeitschrift, die mir bislang fremd war.

Natürlich kenne ich die üblichen Verdächtigen, wie Cavallo, St. Georg, Reiterrevue, die ehemalige Freizeit im Sattel.....

Aber Piaffe kannte ich bis dato nur vom Hören-Sagen.

Das Titelbild machte mich schon ein wenig stutzig. Ein Fuchs aus dem Cadre Noir, schwarze Kandarenzäumung mit goldenen Messingbeschlägen, und dazu die Mähne in pink eingeflochten und eine dicke pinkfarbene Schleife am linken Ohr des Pferdes, dazu eine Reiterin mit Dreispitz des Cadre Noir im Hintergrund.

Ausgesprochen verwundert nahm ich das Heft in die Hand.
Das Format liegt recht mittig zwischen Din A 5 und der üblichen Zeitschriftengröße.
Festes, gutes Papier, die Haptik war schon sehr angenehm, versprach etwas Hochwertiges zu sein.

Die Titelthemen sind zweisprachig deutsch-englisch auf dem Titelblatt angegeben.

Beim ersten Durchblättern sprachen einige Bilder und kurze Sätze beim überfliegen der Zeilen gleich an. Besonders eine Darstellung eines Pferdes mit Reiter, bei denen sowohl das ältere Foto zu sehen ist, als auch das Skelett wie eiin Schablone darübergelegt worden ist. Titel des Beitrages: "Reiten im Gleichgewicht".

Nun, ich griff zu und nahm das Heft des Wu-Wei-Verlages für 6,90 Euro mit heim.

Einige durchlesene Stunden und Nächte später hier eine kleine Zusammenfassung:

Genau das, was ich an den anderen Zeitschriften bemängele: Ein groß und reißerisch aufgemachtes Titelthema und dann nur heiße Luft dahinter und keinerlei Informationsgehalt, außer oberflächlichem, inhaltsleerem Geschreibsel, gibt es in diesem Heft nicht.

Die Beiträge sind ausführlich und in die Tiefe gehend.

Es finden sich eine Vorstellung des Cadre Noir ebenso, wie ein Beitrag über die Passage und den spanischen Schritt, ein Text über die korrekte Aufrichtung und eine Abhandlung über den korrekten Sitz und viele weitere hochinteressante Themen in Theorie und gespickt mit vielen Praxistipps.

Namhafte Kenner der Pferde und der Reitkunst reihen sich hier aneinander. Um nur einige zu nennen: Phillippe Karl, Kerstin Diacont, Prof. Dr. Klaus Zeeb, Hans E. Schneider und auch ein Vortrag von Podhajski ist vertreten.

Der kleine Wermutstropfen ist, daß von den Hauptartikeln nur Kurzessays in englisch vorhanden sind. Ich fände eine komplette Übersetzung aller Artikel sinnvoller, oder den Verzicht auf die Kurzessays und eine komplett englischsprachige Ausgabe.
Sie mindern und schmälern den Wert des Heftes aber trotzdem nicht, im Gegenteil. Das englische Vokabular eines Reiters wird davon sehr profitieren.

Mein Fazit:
Für den interessierten Reiter, der unter der Gymnastizierung des Pferdes und dem Umgang mit der wundervollen Kreatur mehr versteht als pures Abrichten, der lieber mit Verstand und Seele mit dem Pferd arbeitet, statt mit Kraft gegen das Pferd, für den Pferdemenschen, der in der Dressur den Sinn sieht, das Pferd durch die Dressur wachsen zu lassen, schön zu werden, innerlich und äußerlich, ist diese Zeitschrift ein Muss!

Viele im Wu-Wei-Verlag erschienene Bücher sind ein großer Beitrag zum Erhalt des Reitens als Kunst mit dem Pferd, diese Zeitschrift reiht sich nahtlos ein.

Ich werde nun sehen, ob ich die vorigen Ausgaben der Piaffe noch irgendwo erstehen kann und werde ihren Werdegang weiter beobachten und wünsche der Piaffe, daß sie dieses hohe Niveau halten wird.

Text: Julchen