Buchrezension "Reiten mit Gefühl"

David de Wispelaere und Tessa van Daalen:
Reiten mit Gefühl - Meine Antworten auf Ihre Reitkunstfragen

Der www.wu-wei-verlag.de hat ein neues Buch herausgegeben, auf welches sicherlich so manch Reiter schon lange gewartet hat.

Was tun, wenn man reiterliche Fehler entdeckt, der eigene Trainer aber erst in einer Woche oder in zwei Wochen wieder da ist und man in einem Teufelskreis gefangen ist? Der Fehler ist da, man bekommt ihn nicht abgestellt, er verfestigt sich, man selber verkrampft immer mehr um diesen Fehler zu lösen.....

Ich habe mir schon lange eine Art Nachschlagewerk für Probleme beim Reiten gewünscht und nun ist es da!

Denn genau hier setzt dieses Buch an.

David de Wispelaere ist internationaler Grand Prix Reiter und als Reitlehrer und Ausbilder in Aachen tätig. Er trainierte unter anderem mit Gabriela Gillo, Dr. Reiner Klimke, Jan Bemelmanns und Arthur Kottas Heldenberg. Sein Grundsatz ist die Harmonie zwischen Reiter und Pferd, ohne Zwang und mit gegenseitigem Respekt.

Tessa van Daalen ist unter anderem als Dressurrichterin tätig und ritt selber mit ihrem Pferd Davy Prüfungen bis Prix St. Georges. Zudem ist sie die Autorin des Buches "Reiten mit Gefühl, Teil I".

Aus der Einleitung:

Meine Antworten auf Ihre Reitkunstfragen

Manchmal ist das Dressurreiten ein echtes Geduldsspiel. Hat man die eine Sache gerade im Griff oder hat man das angenehme Gefühl, alles läuft prima, kündigt sich schon das nächste Problem an. Wie soll man das jetzt wieder lösen? Wenn Sie verstehen, warum etwas falsch läuft, ist es leichter, etwas daran zu ändern. Dies setzt jedoch voraus, dass Sie fühlen können, was unter Ihnen geschieht und dass Sie das Pferd nicht behindern. Genau aus diesem Grund ist der richtige Sitz des Reiters so wichtig. Aufgrund seines Körperbaus ist der Mensch von Natur aus eigentlich nicht für das Reiten geeignet. Es kostet ihn große Mühe, diesen richtigen Sitz zu erlernen und vor allem, diesen beizubehalten, besonders dann, wenn es mit dem Reiten nicht so klappt, wie man es möchte. Ohne den richtigen Sitz ist es nämlich viel schwieriger, reiterliche Probleme zu lösen. Dann arbeitet man gegen das Pferd.

Wenn etwas nicht gelingt, bekommt oft das Pferd die Schuld. Dabei hat es sich bestimmt nicht vorgenommen, Ihnen den Tag zu verderben. Pferde teilen sich nicht mit Worten sondern mit subtilen Gesten und Berührungen mit. Möchten Sie dem Pferd während des Reitens etwas vermitteln, müssen Sie sich mit seiner Sprache vertraut machen. Das Pferd will wirklich alles tun, was Sie von ihm verlangen, aber es muss verstehen, was Sie von ihm wollen. Also müssen Sie ihm die richtigen Signale geben. Nicht zu viele auf einmal, denn das ist verwirrend, und auch nicht zu schnell oder zum falschen Zeitpunkt, denn dann erschrickt es sich. Das gute Gefühl, das man als Reiter immer anstrebt, ist die Harmonie zwischen Ihnen und Ihrem Pferd, bei der Sie einander begreifen und ein Gespür für einander entwickeln. Um das zu erreichen, müssen Sie Ihr Bestes geben, alles richtig zu machen."

Das klingt schön und gut, wird sich jeder denken. Nur WIE soll ich das machen?
Hier setzen die Erläuterungen de Wispelaeres und van Daalens an:

Das Buch ist in neun große Abschnitte untergliedert, in denen sich de Wispelaere und van Daalen den einzelnen Problemen in einem eigenen Kapitel widmen.

Es fängt an mit dem Sitz und den Beinen, geht über zu den Händen, von dort führt es über die Hilfengebung zu Takt, Losgelassenheit, Anlehung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung durch die meisten Reiterfehler.

Die Autoren führen aus, was es in jedem Bereich für reiterliche Probleme gibt, wie man sie erkennt, wie sie sich auf das Pferd auswirken und mit welchen Übungen man sich verbessern kann.

Besonders hervorzuheben ist, wie sie es dem Leser immer wieder verdeutlichen, dass viele Dinge ohne den Einsatz des Zügels erarbeitet werden können, indem man durch geschicktes Anlegen der Übungen den Zügeleinsatz überflüssig macht.
Besonders Reiter von Pferde, die zum eilen neigen, werden von dem Buch profitieren.

Überhaupt werden viele Übungen genannt, die vom nahezu blutigen Anfänger bis hin zum weit fortgeschrittenen Reiter selektiv nachgearbeitet werden können. Es werden viele alte und in Vergessenheit geratene Übungen wieder aufgegriffen, wie z. B. die gerittene Quadratvolte, die übrigens nur wenig mit der "dualaktivierten" Quadratvolte zu tun hat, die heute einige kennen.

Es werden Übungen zur Verbesserung von reiterlichen Problemen ebenso aufgegriffen wie Übungen zur Überprüfung von Durchlässigkeit, Geraderichtung, Annahme der Hilfen.

Sehr hervorzuheben ist, dass beide Autoren in ihrem Buch nicht den Anspruch erheben, dieses Buch könnte Reitunterricht ersetzen! Im Gegenteil: Es wird darauf hingewiesen, dass eben ein Reitlehrer oder erfahrener Reiter konsultiert werden soll.
Aber die Lektionen sind schön alleine nachvollziehbar und nachzureiten und nachzuarbeiten, immer mit dem Ziel, des feinen Reitens mit minimaler Hilfengebung.

Ich habe mir willkürlich zwei Kapitel aus dem Buch herausgegriffen und einige Reiteinheiten mich nur auf diese beiden Kapitel konzentriert. Das Ergebnis war umwerfend. Das Übungsziel wurde voll und ganz erreicht!

Manchmal braucht es eben den kleinen Anstoß von außen!

Sehr angenehm ist auch, dass das Buch nicht den vielen neumodischen Reitbüchern nacheifert, die ähnlich wie Kochbücher alles mit Fotos überpflastern. Bilder werden sehr sparsam eingesetzt, das Hauptaugenmerk liegt auf verständlichen, einprägsamen Texten.

Das Buch aus dem www.wu-wei-verlag.de kostet 24,80 Euro und ist unter anderem im www.wu-wei-verlag.de erhältlich, ebenso wie im gesamten Buchhandel.

Fazit:
Man muss das Rad nicht neu erfinden. Aber man muss es in den Köpfen am rollen halten!


Vielen Dank Frau Sonntag, dass Sie uns das Rezensionsexemplar dieses neu erschienenen Buches zur Verfügung gestellt haben!


Bei Interesse von Euch, schreibe ich Euch gerne einige Kapitelüberschriften ab, damit Ihr Euch ein noch besseres Bild vom Inhalt machen könnt.

Viele Grüße und viel Vergnügen beim Lesen
Julchen